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27.07.2011 Tram nach Potsdam-Eiche II

Alles ist möglich.

Mit Einwurfzetteln in vielen Briefkästen in Eiche wurde am Dienstag, den 21. Juni 2011 zu einer Einwohnerversammlung in die Universität gerufen. Es solle erneut um die Tram gehen. Ich konnte es einrichten und erfuhr einerseits Neues und wurde andererseits in meinen bisherigen Befürchtungen bestätigt.

Es war ein schöner großer Hörsaal mit etwa 150 Plätzen, der deutlich gefüllt das Interesse der Einwohner/innen wiederspiegelt. Die Stadtverwaltung hat zwei Mitarbeiter entsandt. Die Herren Kahle und Pfefferkorn haben die Stadtverwaltung vertreten.
Einer der beiden Herren erschien mit karriertem Hemd im Freizeitlook, der andere Herr benutzte immerwährend den Hinweis „sag ich mal“. Leider wurde damit nur den wenigsten Anwesenden deutlich, daß die Stadtverwaltung sich für die Interessen der Bürger nicht interessiert und wohl nur ein Pflichtprogramm absolviert.

Natürlich wurde Herr „Sag ich mal“ gefragt, wenn denn die Bürger dagegen seien und sich der Nutzen für die Universität nicht einmal gerichtsfest darlegen läßt, warum halte dann die Stadtverwaltung an diesem Projekt fest. Herr „Sag ich mal“ erklärte daraufhin den Anwohnern, ihm sei bekannt, daß die Anwohner dagegen seien, doch es gebe auch Befürworter. Wer das denn sei, wollte man wissen. Und Herr „Sag ich mal“ erklärte uns, der Verband der deutschen Bahnkunden ist für dieses Projekt. Zu mehr als einem Raunen hat sich die Versammlung nicht hinreißen lassen.

Die anwesende Presse wird wohl von der Politik so Gefangen gehalten, daß wir diese Bände sprechende Erkenntnis nicht haben in der Zeitung wiederfinden dürfen. Wie ist zu erklären, daß das Votum von Potsdamern weniger zählt als bezahlte Studien von Ortsfremden?

Wir durften aber noch eine Erkenntnis mit nach Hause nehmen.

Bezogen auf die Streckenführung wurde gefragt, warum diese denn nicht durch das Alte Rad führe. Das gehe weitestgehend ebenerdig und würde die potentiellen Mitfahrer viel dichter an die Tram heranführen. Dort würden immerhin viel mehr Menschen wohnen, als in der Lindstedter Straße. Dazu erfuhren wir, daß die Durchführung durch Eiche selbst nicht gehe, dort würden die Eigentümer einer notwendigen Verbreiterung nicht zustimmen. Die Frage aus dem Hörsaal ob man nur deshalb eine andere Strecke wähle, um auf Herrn Semmelhaack Rücksicht zu nehmen wurde verneint. Es wurde statt dessen mitgeteilt, eine Enteignung im alten Rad ginge nicht so einfach, deshalb würde die Lindstedter Straße verbreitert werden. Dazu würden dann die Grundstücksbesitzer entsprechend enteignet werden. Jetzt gab es tatsächlich lautstarken Widerspruch. Ob sich dieser Widerspruch dann in einer ausreichenden Zahl von Klagen wird wiederspiegeln, bleibt abzuwarten. Ich wünsche den Anwohnern in der Lindstedter Straße viel Erfolg bei ihrem Rechtsweg gegen die Enteignungen.

Auch hier war ich gespannt, ob denn die anwesende Presse diesen Hinweis, daß die Stadt Potsdam gedenkt, einfach eine Vielzahl von Eigentümer dergestalt zu enteignen, um eine Straßenbahn nach Golm zu bauen, aufgreifen wird und die Potsdamer Bürger darüber informiert, welch unhaltbare Zustände sich dort im Rathaus entwickeln.

Und haben Sie gelesen? Nein die Presse schreibt nichts gegen die Obrigkeit. Das war früher so und ist heute leider nicht anders.

Nur am Rande sei erwähnt, daß die Streckenführung wohl durch den Friedhof führt und durch Bundeswehrgelände. Darin scheint die Stadtverwaltung nicht wirklich ernsthafte Probleme zu sehen.

Die vorgelegten Studien basierten auf einer Zeitspanne, in der der Busverkehr nicht regulär verkehrte und ohne Einbeziehung einer geplanten Regionalbahn vom Hauptbahnhof nach Eiche. Auch blieb in dieser Sitzung von Seiten der Stadt unerwähnt, daß nur eine Tram wohl aus Brüssel gefördert wird. Kein Bus und keine Bahn. Unter Einbeziehung der erheblichen Zuschüsse aus Brüssel sind die Prozesse und Enteignungsentschädigungen an eine Vielzahl von Hausbesitzern wohl Peanuts.

02.04.2011 Tram nach Potsdam-Eiche

Es gibt seit Anfang 2010 den Versuch der Stadt Potsdam in Verbindung mit den Verkehrsbetrieben eine Tram vom Potsdamer Hauptbahnhof durch Eiche zum Technologiepark Eiche zu planen.
Dazu wurden Planungen einer Trasse vorgelegt, einerseits Unsinnige, andererseits schwer und teuer realisierbare.

All das wird von den Bürgern in Eiche mit Befremden aufgenommen, sieht doch die realistischere der verschiedenen Varianten eine Durchquerung von Wohnstraßen, den Abriß von Wohnhäusern sowie die Teilung von Bundeswehrgelände vor.

Doch ist das Projekt bislang nicht gänzlich falsch beleuchtet worden?

Richtig mag sein, daß die Universität zunehmend Studierende sowie Beschäftigte verzeichnet, die möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Studienort einfach erreichen sollen.

Richtig mag ferner sein, daß der Potsdamer Hauptbahnhof hierzu ein wichtiges Drehkreuz bildet.

Es wäre der Universität ein Leichtes, eine konkrete Darstellung der örtlichen Herkunft der Studierenden sowie der Mitarbeiter zu erstellen. Davon ist jedoch nirgendwo die Rede. Warum?

Mit viel TamTam wurde der Bahnhof Golm neu errichtet. Für wen eigentlich? Natürlich ist dieses Örtchen viel zu klein als Haltepunkt für IC oder gar ICE. Es halten dort Regionalbahnen. Diese könnten auch nach Berlin fahren, tun sie aber nicht. Es geht nur nach Potsdam und dann nach Hennigsdorf.
Richtig wäre sicherlich eine Regionalbahn die in die eine Richtung über den Potsdamer Hauptbahnhof bis zum Flughafen Schönefeld führt und auf der anderen Seite über Bahnhof-Spandau, Zoologischer Garten zum neuen Hauptbahnhof reicht.

Das wäre die richtige Wahl für eine zukunftsweisende Anbindung des Wissenschaftsparks in Golm und hätte nebenbei auch einen gewaltigen Vorteil für Potsdam selbst. Aber für die Tram soll es Gelder von der EU geben.

Warum wird das naheliegende nicht angegangen? Gibt es keine Parteispenden von der Bahn? Und gibt es bei der Bahn keinen Platz für Frühstücksdirektoren (wenigstens nicht aus Potsdam).

Muß deshalb ein Konzept her, das Potsdamer Unternehmen deutlich mit einbezieht? Damit die Parteikasse klingelt, mit Geldern von der EU?

So würde natürlich eine überteuerte Planung quer durch Potsdam Sinn ergeben.

Eine Straßenbahn befördert 14% mehr Personen als ein Gelenk-Bus (Quelle: Stadtwerke Potsdam GmbH). Da die Straßenbahn auch auf der Straße fährt und mehrere sowohl sehr enge Kurven hat als auch den Weg durch Verkehrsberuhigte Straßen nutzt, ist eine Verkürzung der Fahrzeit des Busses von derzeit 22 Min (Hbf - Golm) nicht drin. Wahrscheinlich braucht die Tram sogar 3-5 Minuten länger.

Die Verkürzung der Taktzeit von derzeit 10Minuten auf 3-5 Minuten in den Spitzenzeiten, quer durch ein verkehrsberuhigtes Wohngebiet heißt doch nur eines. Dort erwartet die SPD keine Wähler mehr. Denn eine Taktzeit von 3-5 Minuten gilt pro Richtung. Den Anwohnern fährt also ca. alle ZWEI Minuten eine Straßenbahn am Haus vorbei. Ob es für die Anwohner beruhigend sein wird, daß dies nur in den Spitzenzeiten zwischen 07:00 Uhr und 09:00 Uhr morgens sowie um die Mittagszeit zwischen 13:00 Uhr und 15:00 Uhr so viele Straßenbahnen sein werden, wird sich zeigen.

Verschiedene geplante Teilabschnitte verlaufen so dicht an Gebäuden das noch weitere Einschränkungen zu erwarten sind.
Es ist bekannt, daß die elektromagnetische Verträglichkeit der elektrischen Straßenbahn gruselig ist. Auf Teilen des vorgesehenen Weges fährt sie so dicht an Häusern vorbei, daß ein flimmerfreies Fernsehen oder knisterfreies Radiohören nicht mehr gewährleistet sein wird. Die Berliner Anwohner an der Bahnstrecke Zoo-Spandau haben dies täglich live. Wird das Flimmern und Knistern wirklich nur die Technik beeinflussen oder hat sie auch Einfluß auf unser Leben, wenn wir dort wohnen? Wird billigend in Kauf genommen, daß die nahe an der Straße stehenden Häuser im vorderen Teil unbewohnbar werden?

Die Regionalbahn ist schon heute in nur 10 Minuten vom Pdm-Hauptbahnhof nach Golm unterwegs (aktueller Fahrplan des RB20). Eine Verkürzung der Taktzeit bei Steigerung der Nutzerzahlen wird die Bahn sicherlich kurzfristig umsetzen können.
Die Bahn ist also in gerade einmal der halben Zeit eines Busses oder einer Straßenbahn vom Potsdamer Hauptbahnhof am Golmer Bahnhof und damit mitten im Wissenschaftspark.
Die Bahn befördert pro Waggon ca. 100 Personen. Pro Zug sind sicherlich 4 Waggons möglich, so daß ein Mehrfaches an Personen in gerade einmal der halben Zeit befördert werden kann.

Wenn es also um ein sinnvolles und zukunftsweisendes Transportkonzepte geht, kommt an der vorhandenen Bahnstrecke keiner vorbei.

Bei einer wirklich bedarfsgerechten Planung würde die Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH einen Zugverkehr auf vorhandenem Schienennetz der Bahn vom Flughafen Schönefeld - Potsdam Hauptbahnhof – Golm – Berlin-Spandau – Berlin-Hauptbahnhof und dann idealerweise als Ringbahn wieder zum Flughafen Schönefeld führen und betreiben. Damit würde die Stadt Potsdam zukunftssicher an die Verkehrsknotenpunkte der Region angebunden sein.

Und da diskutiert die Provinzpolitik in Potsdam über eine sinnlose Straßenbahn.

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